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Spielstättenbetreiber sorgen sich um Besucherzahlen

Die Besucherzahlen bereiten den Spielstättenbetreibern laut einer bei der c/o pop vorgestellten Studie der Initiative Musik die größten Sorgen. Die Initiative empfiehlt die Bildung von Netzwerken, bessere Vermarktung und Kostensenkungen.

24.06.2011 16:37 • von Frank Medwedeff
Gaben Handlungsempfehlungen für die Spielstättenbetreiber: Dieter Gorny und Hans-Joachim Otto (rechts) (Bild: MusikWoche)

Auf einer Pressekonferenz im Rahmen der in Köln haben Hans-Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie (BMWi), und Prof, Aufsichtsratsvorsitzender der Initiative Musik, die Ergebnisse des Spielstättenporträts präsentiert, einer Befragung der Situation von Musik-Spielstätten in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Niedersachsen, Bremen und Sachsen.

"Die Studie definiert drei Handlungsfelder für die Spielstätten: Netzwerke bilden, Vermarktung verbessern und Kosten senken. Daraus können die Akteure auf allen Ebenen - die Betreiber, die Kommunen, die Länder und der Bund - für sich neue Maßnahmen ableiten", resümierte Hans-Joachim Otto bei der Vorstellung der Studie.

"Wir haben es hier im Live-Segment mit engagierten Kulturschaffenden zu tun, die klar wissen, was sie brauchen", erklärte Dieter Gorny. "Was bislang fehlt, ist der Zusammenschluss in einem Netzwerk. Netzwerk ist eines der drei wichtigsten Handlungsfelder, damit eine Sprache gesprochen und eine aktive Lobby auf kommunaler, Landes- wie Bundesebene geschaffen werden kann."

Lokale und landesweite Netzwerke aufzubauen, wie zum Beispiel bereits in Hamburg, Berlin, Köln und im Ruhrgebiet mit der Ruhr.Music.Commission (RMC) realisiert wurde, sei das nächste Ziel. Die RMC gab den Anstoß zur Erhebung im Sommer 2010, den die Initiative Musik als Fördereinrichtung der Bundesregierung aufgriff. Zusammen mit Vertretern aus den fünf beteiligten Bundesländern wurden über 2.000 Betreiber kleiner und mittlerer Spielstätten befragt - nach ihren Sorgen, wirtschaftlichen Aussichten, Personalbestand, ihren Umsatzbringern und Kostenverursachern, nach ihrem Förderbedarf und ihren Marketingaktivitäten.

Ina Keßler, Geschäftsführerin der Initiative Musik, fasst die Erkenntnisse wie folgt zusammen: "Bund und Länder mit Kommunen können helfen, an der Kostenschraube zu drehen. Mehr als die Hälfte der Spielstätten wünscht sich Förderung bei Technik und Marketing. Hier stehen notwendige Investitionen an. Gleichzeitig müssen sie weiter auf ihre Programmqualität achten. Spielstätten könnten Einkaufsgenossenschaften bilden, gemeinsame Presse- und Öffentlichkeitsarbeit betreiben und sich damit gezielt um ihre Kunden kümmern."

Customer-Relationship-Management (CRM), so heiße das Zauberwort in anderen Branchen - und dies sei auch hier gefragt. Obwohl 96 Prozent der Befragten das Internet als Plattform und Werbemittel einsetzen, würde ein Drittel der befragten Spielstättenbetreiber Coachings für Marketing und PR nutzen.

Ein weiteres Ziel wäre, dass die im Spielstättenporträt dargestellte derzeitige Auslastung von 55 Prozent bei den kleinen und mittleren Spielstätten gesteigert wird. Die Besucherzahlen standen mit 35 Prozent Nennungen auf Platz eins der Auflistung der größten Sorgen der Spielstättenbetreiber. Nur 18 Prozent der Befragten gaben eine Auslastung von mehr als 75 Prozent an. Bei 27 Prozent der untersuchten Konzert-Locations liegt die Auslastung demnach bei unter 50 Prozent.

An zweiter Stelle der Sorgenrangliste liegen die GEMA-Gebühren, die 26 Prozent der Befragten nannten. 24 Prozent der Probanden gaben an, dass der aktuelle GEMA-Anteil an den Ticketverkäufen bis zu elf Prozent betrage.

Bei der Umsatzstärke gaben 25 Prozent über 500.000 Euro jährlich an, fast genauso hoch mit 24 Prozent ist demnach der Anteil der Spielstätten mit einem Jahresumsatz von weniger als 50.000 Euro.

Auf der Kostenseite gaben 36 Prozent der Spielstätten an, dass Personal die größte Kostenposition sei, 23 Prozent nannten Gagen und 16 Prozent Mieten. Insgesamt gaben 58 Prozent der Spielstätten an, Förderung zu beziehen. Diese stamme zu 62 Prozent aus öffentlichen Geldern und zu 47 Prozent aus Sponsoringleistungen.

Die wirtschaftliche Situation wird von den Spielstätten insgesamt leicht positiv bewertet. 31 Prozent der befragten Betreiber diagnostizierten einen wirtschaftlich steigenden Trend innerhalb der letzten drei Jahre, für 46 Prozent ist die Lage unverändert und 23 Prozent proklamierten einen negativen Trend. Die Trendeinschätzung für die kommenden drei Jahre wird von 31 Prozent positiv eingeschätzt, 57 Prozent erwarten keine Änderung und 12 Prozent gehen von einer Verschlechterung der Situation aus. 96 Prozent der Spielstätten aus der Untersuchung sind nicht von Insolvenz bedroht.

Das gesamt Spielstättenporträt steht als pdf auf der Website der Initiative Musik zur Verfügung.