Medien

Wir sind Helden lassen "Bild" und Jung von Matt abblitzen

Wir sind Helden haben innerhalb weniger Stunden eine breite Medienresonanz provoziert. Auslöser war eine Anfrage von Jung von Matt. Die Agentur wollte die Gruppe für eine "Bild"-Werbekampagne gewinnen. Dieses Ansinnen stieß aber auf Widerwillen: Sängerin Judith Holofernes veröffentlichte ihre Antwort auf der Bandhomepage.

25.02.2011 14:26 • von Knut Schlinger
In dieser Reihe wollten sie nicht stehen: Wir sind Helden, hier bei der Amadeus-Verleihung 2010 (Bild: "Bild"-Fotos: Mathias Bothor / Wir sind Helden: Andreas Tischler / Montage: MusikWoche)

Die Band Wir sind Helden hat innerhalb weniger Stunden eine breite Medienresonanz provoziert. Auslöser war eine Anfrage von Jung von Matt: Die Werbeagentur, die zum Beispiel Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Kabrio des Autovermieters Sixt fahren ließ oder Annett Louisan in einer Kampagne der Wäschemarke Mey platzierte, wollte Wir sind Helden für die erfolgreiche "Bild"-Zeitung-Kampagne gewinnen, in deren Rahmen sich Prominente mit den Vorzügen oder auch Nachteilen des Blatts auseinandersetzen.

Demnach bot Jung von Matt/Alster der Band an, bei der "Bild"-Kampagne "ihre offene, ehrliche und ungeschönte Meinung" mitzuteilen. Wie bei anderen Testimonials auch sollten dafür 10.000 Euro für einen Zweck nach Vorgabe von Wir sind Helden gespendet werden. Für dieses Konzept haben sich schon Künstler von Marius Müller-Westernhagen und Udo Lindenberg bis hin zu Sarah Connor und Mario Barth anwerben lassen.

Das Ansinnen der Werber, Wir sind Helden vor den Werbekarren des Boulevardblatts aus dem Hause Springer zu spannen, stieß bei den Musikern allerdings auf deutliche Ablehnung: Sängerin Judith Holofernes machte ihren Widerwillen publik und stellte das Anschreiben der Agentur und ihre Antwort auf die Bandwebseiten. Twitter, Facebook und die Nachrichtendienste der Medienbranche sorgten schnell dafür, dass das Medienspektakel Fahrt aufnahm. So sehr, dass die Server der Bandwebseiten zwischenzeitlich in die Knie gingen.

Dokumentiert wird der Schlagabtausch allerdings weiterhin vom "Bildblog"

"Ich glaub, es hackt", bringt Judith Holofernes ihre Antwort an Jung von Matt auf den Punkt. Anschließend kritisiert sie, dass die "Bild"-Kampagne "das Perfideste" sei, "was mir seit langer Zeit untergekommen" ist: "Selten hat eine Werbekampagne so geschickt mit der Dummheit auf allen Seiten gespielt." Die "Bild"-Zeitung sei "kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash-Kulturgut und kein harmloses 'Guilty Pleasure' für wohlfrisierte Aufstreber". Vielmehr sei das Blatt "ein gefährliches politisches Instrument - nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda."

Darauf wiederum schien die Agentur reagiert zu haben: Sie bedankte sich, wie verschiedene Medien berichten, bei Judith Holofernes "sehr herzlich für Ihren - sagen wir es mal so deutlich - sehr sehr sehr ausführlichen Beitrag". Zwar werde es harte Arbeit, "die Masse an Text auf einem Plakat unterzubringen", aber vielleicht könne man auch vier Plakate für die einzelnen Bandmitglieder daraus machen, heißt es zunächst noch beinahe humorvoll. Anschließend wird dann allerdings auf Stammtischniveau gegen den "Sex-Appeal einer weltverbesserischen Neofeministin mit Sendungsbewusstsein" polemisiert. Das liest sich dann dermaßen armselig, dass schon bald Zweifel an der Echtheit des Textes laut wurden.

Das Medienmagazin "Horizont" bezeichnet die angebliche Replik der Agentur inzwischen als Satire von "jetzt.de", dem Jugendportal der "Süddeutschen Zeitung". Die Agentur bestätigt denn auch auf Nachfrage von MusikWoche, dass es sich hierbei nicht um eine offizielle Stellungnahme handelt: "Die Antwort auf die Antwort von Judith Holofernes ist nicht von Jung von Matt."