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Sony Music und Bundesverband streiten um Mario Barth

Krach um die Charts: Sony Music reklamiert den Spitzenplatz der MusikWoche Top 100 Longplay für Mario Barth und sein jüngstes Werk. Der Bundesverband Musikindustrie habe das Album aber von dieser Hitliste ausgeschlossen. Der Verband spricht von einem Versuch, sich in die Charts einzuschleichen.

06.10.2009 17:05 • von Knut Schlinger
"Die Herren der Charts haben keinen Humor": Mario Barth (Bild: Josef Fischnaller)

Krach um die Charts: Sony Music reklamiert aufgrund aktueller Verkaufszahlen den Spitzenplatz der MusikWoche Top 100 Longplay für Mario Barth und sein jüngstes Werk, Männer sind peinlich, Frauen manchmal auch! - Live". Der Vorstand des Bundesverbands Musikindustrie habe das Werk aber von dieser Hitliste ausgeschlossen: "Sony Music verurteilt den Chartausschluss von Mario Barth", heißt es aus München.

Die aktuelle Veröffentlichung von Mario Barth habe im Wertungszeitraum die höchsten Verkäufe erzielt, erfülle alle Erfordernisse für eine Qualifizierung in den Musikcharts und hätte auf dem ersten Platz gelistet werden müssen, lässt Sony Music wissen. Die Entscheidung, Mario Barth nicht für die offiziellen Verkaufscharts zuzulassen, sei für Sony Music "nicht nachvollziehbar".

"In den US- und UK-Charts werden Comedians gemäß ihrer Abverkäufe in den offiziellen Musikcharts gewertet. Es ist unverständlich, dass dies in Deutschland nicht so ist", sagt Edgar Berger, CEO Sony Music Entertainment GSA. "Die Käufer sollen entscheiden, was oben in den Charts steht. Und ein bisschen mehr Humor würde Deutschland gut tun."

Auch der Künstler selbst meldet sich zu Wort:

"Ich finde es gerade für die Fans schade, dass hierzulande Comedy noch immer diskriminiert wird. Wir sind längst Teil der Popkultur und werden dennoch konsequent aus den Charts verbannt, auch wenn wir regelkonforme CDs auf den Markt bringen", klagt Barth und fragt: "Was kommt als nächstes? Michael Jackson fliegt aus den Charts, weil nur lebende Künstler da rein dürfen, oder die Beatles, weil nur Bands gelistet werden, die noch zusammen sind? Offenbar sind ja Änderungen der Spielregeln jederzeit nach Belieben möglich. Die Herren der Charts haben zumindest eines gezeigt: Sie haben keinen Humor."

Vor gut zwei Jahren hatte sich Dramatico-Boss Mike Batt über den umgekehrten Fall beklagt: Damals hatte Mario Barth dem Dramatico-Schützling Katie Melua den Einstieg auf Platz eins der MusikWoche Top 100 Longplay verwehrt; Katie Melua und deren Pictures" blieb damals lediglich Rang zwei. Batt meinte damals: "Das sind schon noch Musik-Charts, oder? Wenn man Comedy-Charts will, dann sollte man eben solche einführen. Oder Charts für reine Wortprodukte. Aber wo hört das auf? Sollen wir als nächstes Gemüse in die Charts lassen? Dann schnappt uns ein Sack Kartoffeln Platz eins weg."

Das aktuelle Album von Mario Barth steigt nun in den von media control im Auftrag des Bundesverbands Musikindustrie ermittelten Hitlisten auf Platz eins in die noch jungen Comedy-Charts ein.

Für den Bundesverband Musikindustrie tritt auf Nachfrage von MusikWoche Geschäftsführer Stefan Michalk in den Ring:

"Für den Konsumenten ist nur schwer nachvollziehbar, was Wortprodukte wie Comedy in den Musikcharts zu suchen haben. Aus diesem Grund wurden im vergangenen Jahr extra die Comedy-Charts geschaffen", sagt Stefan Michalk, Geschäftsführer des Bundesverbands:

"Der Versuch, sich über eine Bonus-CD mit Meditations-Musik trotzdem in die Musikcharts zu schleichen, war eines Comedians vom Rang Mario Barths zwar würdig, am Ende aber doch nicht regelkonform."