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Bös rügt Oasis und holt Deep Purple

Die abrupte Absage von Oasis für das Festival Rock am See nach dem von Noel Gallagher verkündeten Split der Band brachte Veranstalter Dieter Bös (KoKo & DTK Entertainment) schwer ins Schwitzen. Innerhalb weniger Stunden gelang es ihm aber, in einer wahren Nacht- und Nebelaktion mit Deep Purple eine namhafte Alternative als Headliner zu verpflichten. Die Fans reagierten laut Bös verständnisvoll, der das Verhalten von Oasis indes als "unprofessionell" kritisiert.

31.08.2009 18:02 • von Frank Medwedeff

Die abrupte Absage von Oasis für das Festival Rock am See nach dem von Noel Gallagher verkündeten Ausstieg aus der Band brachte Veranstalter Dieter Bös (KoKo & DTK Entertainment) schwer ins Schwitzen. Innerhalb weniger Stunden gelang es ihm aber, in einer buchstäblichen Nacht- und Nebelaktion, mit Deep Purple eine namhafte Alternative als Headliner zu verpflichten.

In der Nacht zum Festivaltag, dem 22. August, ereilte Bös der Anruf des Agenten von Oasis, der ihm mitteilte, dass die Band das Konstanzer Konzert ebenso wie geplante Gigs in Paris und Mailand nicht mehr spielen werde. "Da war erstmal Adrenalinausstoß angesagt", so Bös im Gespräch mit MusikWoche. Er habe gleich eine Liste von Bands gemacht, die als Ersatz in Frage kämen, diese dann aber alle wieder als unrealisierbare Planspiele durchgestrichen. "Doch dann fiel mir ein, dass Deep Purple ein Open Air in der Schweiz am Freitag gespielt hatten. So rief ich deren Tourmanager an, der auf dem Weg ins Hotel in Zürich war." Der habe sogleich den Deep-Purple-Tross, der schon wieder unterwegs nach England war, gestoppt. Nach Verhandlungen mit Management und Band sei dann nach wenigen Stunden die Verpflichtung der Hardrockaltmeister gelungen.

"Ich war natürlich froh, nicht mit leeren Händen dazustehen", so Bös, obwohl es ihm klar sei, "nie und in keinem Genre" eine Band eins zu eins ersetzen zu können. "Das war auch in diesem Fall so, aber es war dennoch ein tolles Festival, die Leute haben einen schönen Tag gehabt, und Deep Purple haben ihre Sache gut gemacht."

"Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ein Headliner abgesagt und sich unprofessionell und uninteressiert gegenüber dem Publikum verhalten hat", bekräftigt Bös. "Es gab aber keinen Aufstand. Wenn, dann herrschte Verärgerung über Oasis. Die Leute waren fair und verständnsivoll. Keiner hat seinen begreiflichen Ärger am Veranstalter auslassen wollen", berichtet Bös, der indes bestätigte, dass rund ein Drittel der rund 20.000 Zuschauer das Bodenseestadion vorzeitig verließ und Deep Purple nicht mehr sah. Die Mehrheit der Besucher sei aber "sehr engagiert" mitgegangen und habe für eine adäquate Kulisse für die Hardrockheroen gesorgt. Das Festival sei ja ohnehin nicht allein auf Oasis zugeschnitten gewesen: "Wir hatten ein kompaktes, gutes Programm, nicht einen Headliner mit sechs Vorbands. So haben Kasabian einen tollen Eindruck hinterlassen, ebenso The Hives mit großer Spielfreude. Und Mando Diao waren für viele Besucher allein schon der Grund, zu Rock am See zu kommen."

Bös sei bislang nichts von Regressforderungen enttäuschter Oasis-Fans bekannt. Er betonte aber, dass er das nicht professionelle Verhalten der Band gegenüber dem Bandmanagement nochmals ansprechen werde und sich etwaige Maßnahmen vorbehalte. Er will auch Kontakt zu den ebenfalls betroffenen Veranstaltern der abgesagten Oasis-Shows in Paris und Mailand aufnehmen.

Auf der Rock-am-See-Homepage hatte Koko & DTK auch den Kommentar von Noel Gallagher abgedruckt, mit dem er sein Ausscheiden bei Oasis mit den nicht mehr überbrückbaren Differenzen mit seinem Bruder, Leadsänger Liam Gallagher, begründet: "Mit einiger Traurigkeit und großer Erleichterung teile ich mit, dass ich Oasis heute verlassen habe. Die Leute sollen sagen und schreiben, was sie mögen, aber ich kann einfach nicht mehr einen Tag länger mit Liam zusammenarbeiten. Entschuldigung an alle Leute, die Tickets für die Shows in Paris, Konstanz und Mailand gekauft haben."