Musik

Legal: Zur Besteuerung von verbilligten und Freikarten für Konzerte

01.01.1970 01:00 • von Christian Schober

Werden Tickets an Geschäftsfreunde als Geschenk abgegeben, sind sie für den Schenkenden nur als Betriebsausgabe abziehbar, wenn der Freibetrag von 35 Euro pro Jahr nicht überschritten wird. Schon ein Cent mehr verhindert die Abziehbarkeit komplett. Erfolgt die Zuwendung als Gegenleistung für eine Leistung des Empfängers, liegt kein Geschenk vor. Dann sind die Aufwendungen voll als Betriebsausgabe abziehbar. Beim Kartenempfänger ist der geldwerte Vorteil dann zu versteuern. Auf die steuerliche Erfassung des geldwerten Vorteils kann verzichtet werden, wenn zur Abgeltung 60 Prozent des auf Geschäftsfreunde entfallenden Anteils am Gesamtbetrag zusätzlich der Besteuerung beim Zuwendenden unterworfen werden.

Beispiel: Der Geschäftsführer einer Hallen-GmbH schenkt drei leitenden Mitarbeitern einer die Halle beliefernden Brauerei je zwei Konzertkarten im Wert von 125 Euro. Sofern die GmbH davon pro Mitarbeiter 60 Prozent der eigenen Besteuerung unterwirft, müssen die Brauereimitarbeiter die "Einnahme" nicht selbst versteuern. Aufwendungen für Geschenke an eigene Arbeitnehmer sind von der Beschränkung auf 35 Euro ausgeschlossen und komplett absetzbar. Beispiel: Der Geschäftsführer einer Hallen-GmbH schenkt seinem Mitarbeiter drei Karten im Gesamtwert von 300 Euro für ein Rockkonzert. Die GmbH kann diesen Betrag als Betriebsausgabe abziehen. Die Zuwendung der Eintrittskarten stellt für den Arbeitnehmer aber einen zum steuerpflichtigen Arbeitslohn gehörenden geldwerten Vorteil dar, wenn die für Arbeitnehmer geltende Freigrenze von 44 Euro pro Monat überschritten ist.

Nicht zum steuerpflichtigen Arbeitslohn gehören Zuwendungen im Rahmen einer Betriebsveranstaltung oder aus geschäftlichem Anlass. Beispiel: Ein Geschäftsführer lädt seinen Geschäftspartner und eigene leitende Angestellte in ein Konzert ein. Die Kosten sind voll als Betriebsausgabe abziehbar. Das gilt auch, wenn der Geschäftsführer seine Mitarbeiter nach gemeinsamem Restaurantessen mit Tombola und Tanz (einer "üblichen" Betriebsfeier) in ein Konzert einlädt. Der Bundesfinanzhof (BFH) entschied schon 1986, dass die Überlassung einer Konzert- oder Theaterkarte an einen Arbeitnehmer regelmäßig eine Sonderzuwendung darstellt, die als steuerpflichtiger Arbeitslohn anzusehen ist. Laut BFH gilt dies auch, wenn allen Arbeitnehmern vom Arbeitgeber eine Karte geschenkt wird, da die spielplanmäßige Theateraufführung dadurch nicht zu einer betrieblichen Veranstaltung des Arbeitgebers wird.

Betriebsveranstaltungen sind höchstens zwei Veranstaltungen pro Jahr mit gesellschaftlichem Charakter, bei denen die Teilnahme allen Betriebsangehörigen offen steht: Ausflüge, Weihnachts- und Jubiläumsfeiern sowie Abteilungsfeierlichkeiten, wenn alle Arbeitnehmer der Abteilung teilnehmen. Eine "übliche" Betriebsfeier darf sich nicht im Besuch einer kulturellen Veranstaltung erschöpfen. Betragen die Aufwendungen für den äußeren Rahmen inklusive Umsatzsteuer für die üblichen Zuwendungen pro Arbeitnehmer mehr als 110 Euro je Veranstaltung, sind sie entsprechend zu versteuern.

Mit dem Jahressteuergesetz 2007 wurde mit § 37 b EStG eine Regelung zur Pauschalierung der Einkommensteuer bei Sachzuwendungen eingeführt. Danach können Steuerpflichtige die Einkommensteuer einheitlich für alle in einem Wirtschaftsjahr gewährten betrieblichen Zuwendungen, die zusätzlich zur vereinbarten Leistung oder Gegenleistung erbracht werden, und Geschenke, die nicht in Geld bestehen, mit einem Pauschalsteuersatz von 30 Prozent erheben. Die Pauschalierung ist ausgeschlossen, soweit der Betrag von 10.000 Euro überschritten wird.

Der Arbeitgeber hat ein Wahlrecht, ob er von der Pauschalierungsmöglichkeit Gebrauch macht. Es ist zulässig, das Wahlrecht für Zuwendungen an Dritte und an Mitarbeiter gesondert auszuüben. Beispiel: Der Geschäftsführer einer Hallen-GmbH gewährt besonders fleißigen Mitarbeitern Konzertkarten als Bonus. Die GmbH kann von dem Pauschalsteuersatz von 30 Prozent Gebrauch machen. Die pauschale Einkommensteuer ist als Lohnsteuer vom Arbeitgeber abzuführen.