Musik

Machtkampf bei Sony BMG kostet Ienner und Anthony den Job

Rolf Schmidt-Holtz räumt bei Sony BMG auf. Don Ienner, Chairman & CEO der Sony Music Label Group, und Michele Anthony, President & COO der Division, scheiden mit sofortiger Wirkung aus dem Konzern aus. Nachfolger wird Rob Stringer, der dafür von London nach New York wechselt.

01.01.1970 01:00 • von Knut Schlinger

Auch nach dem Führungswechsel an der Spitze von Sony BMG Music Entertainment scheinen die Grabenkämpfe in der New Yorker Zentrale des deutsch-japanischen Majors nicht beendet. Nun räumt CEO Rolf Schmidt-Holtz offenbar auf und statuiert ein Exempel:

Don Ienner, Chairman & CEO der Sony Music Label Group, und seine Stellvertreterin Michele Anthony, President & COO der Division, scheiden mit sofortiger Wirkung aus dem Konzern aus. Damit verlassen zwei der letzten hochrangigen Manager aus der Ära Tommy Mottola Sony Music. Eine offizielle Begründung für den überraschenden Schritt gab es nicht, doch Beobachter machen die seit Wochen schwelenden Personalquerelen in der Sony-Hälfte des fusionierten Unternehmens verantwortlich.

So soll z.B. die Entscheidung von Schmidt-Holtz, die beiden bis vor kurzem noch getrennt arbeitenden Country-Divisionen von Sony BMG in Nashville zu vereinen, das Verhältnis zu Ienner stark belastet haben. Dieser hatte zudem seinen Verantwortungsbereich im Dezember nach dem Abgang von Columbia-Chairman Will Botwin umstrukturiert: Epic-President Steve Barnett wechselte intern zum Sony-Schwesterlabel Columbia als Chairman, wo Steve Greenberg als Columbia-President übergangen wurde. Greenberg wurde erst im Februar 2005 auf Betreiben Lacks ins Unternehmen geholt und machte sich davor als Gründer der Firma S-Curve und als Entdecker von Joss Stone einen Namen. Doch nach der Chefrochade von Andrew Lack und Rolf Schmidt-Holtz wollte sich Ienner von Greenberg trennen, der dem Vernehmen nach nicht so recht in sein Organigramm passte.

Diese Rechnung hatte der Sony-Veteran offenbar ohne den Bertelsmann-Wirt gemacht. Schmidt-Holtz untersagte Ienner angeblich bereits im Mai die Kündigung Greenbergs, den er für einen kompetenten A&R-Mann und wichtig fürs Unternehmen hält. Stattdessen sollte ein adäquater Posten für Greenberg gefunden werden.

Was nun letztlich zur Eskalation des Personal-Schachs bei Sony Music geführt hat, ist unklar. Noch am Morgen des 1. Juni berichtete "Billboard" unter Berufung auf interne Quellen, dass eine Pressemeldung zum Ausscheiden Greenbergs unmittelbar bevorstehe. Wenige Stunden später verkündete Schmidt-Holtz den Abschied von Ienner und Anthony.

Vorübergehend soll nun Tim Bowen, der COO von Sony BMG, die direkte Verantwortung für die Sony-Labels übernehmen. Ab dem 1. September kommt dann ein Nachfolger für Ienner aus London: Der Posten geht an Rob Stringer, Bruder von Sony-Konzernchef Sir Howard Stringer und derzeit Leiter der Niederlassung von Sony BMG in Großbritannien und Irland. Schmidt-Holtz fand einen Satz voller lauwarmer Dankesworte zum Abschied seiner beiden Topmanager und lobte Rob Stringer als qualifizierten Executive, der nach 20 Jahren Laufbahn bei Sony Music nun reif sei für einen Top-Job.

Wer Stringer in London nachfolgt ist derzeit ebenso unklar wie die Zukunft von Steve Greenberg. Sein Label Columbia steht in diesen Tagen gut da, nachdem die Dixie Chicks gerade souverän die US-Albumcharts anführen. Doch der Marktanteil von Columbia im US-Markt liegt gegenwärtig nur bei 5,24 Prozent - elf Prozent weniger als zur gleichen Zeit vor einem Jahr. Und die gesamte Sony Music Label Group musste ebenfalls Federn lassen: Der US-Marktanteil seit Jahresbeginn sank von 13,4 auf 10,4 Prozent. Auch das ein möglicher Grund für die Unzufriedenheit an der Konzernspitze.

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